Das Unternehmer:innen - Hamsterrad

Du hast ein Unternehmen gegründet. Heute bist du seine teuerste Aushilfe.

Fährst du selbst LKW, statt dein Unternehmen zu führen? Warum Unternehmer:innen im Tagesgeschäft feststecken und wie Delegieren gelingt

 

Wenn die Chefin selbst mit anpackt

Du hast dein Unternehmen gegründet, um etwas aufzubauen. Und heute? Heute springst du ein, wo es brennt. Du beantwortest Mails, fährst Touren, stehst im Verkauf. Damit bist du die teuerste Aushilfe, die dein Unternehmen hat.

Das ist kein Vorwurf. In kleinen Unternehmen packen alle mit an, auch die Chefin und der Chef. Aber irgendwann kippt es. Dann steckst du so tief im operativen Tagesgeschäft, dass für die eigentlichen Unternehmeraufgaben keine Zeit mehr bleibt.

Genau darum geht es in diesem Beitrag: Warum so viele Unternehmer:innen im Unternehmen arbeiten statt am Unternehmen. Was das kostet. Und wie du wieder selbst entscheidest, wann du mit anpackst.

Unternehmerin am Schreibtisch

Operatives Tagesgeschäft statt Unternehmensführung: So sieht das in der Praxis aus

In meiner Arbeit mit Unternehmer:innen begegnet mir dieses Muster ständig:

  • Ein Umzugsunternehmer fährt selbst oft den LKW.
  • Ein Händler springt regelmäßig im Verkauf ein.
  • Die Leiterin eines Ingenieurbüros schreibt immer wieder selbst Gutachten.

Alle drei sind fachlich richtig gut. Genau das ist der Haken. Wer eine Aufgabe am besten kann, macht sie schnell selbst. Und ehe man sich versieht, ist aus der Ausnahme der Normalfall geworden.

 

Und ich? Warum ich eine Assistentin eingestellt habe

Ich nehme mich da nicht aus. Als Inhaberin der Nordic Way GmbH organisiere ich noch immer Norwegisch-Kurse und beantworte Kundenmails.

In einem Unternehmen mit sechs Mitarbeitenden ist das oft völlig in Ordnung. Wir packen eben alle mit an. Aber ich habe gemerkt: Viele dieser Aufgaben mache ich nicht mehr gern. Und jede Stunde darin fehlt mir woanders.

Also habe ich eine Assistentin eingestellt. Nicht, weil mir die Arbeit zu klein ist. Sondern weil ich weiß, dass ich mit echten Unternehmeraufgaben mehr bewirke.

Entdecke Inspiration in diesem kurzen Paper:

Das Delegations-Protokoll

Warum Unternehmer:innen im Hamsterrad landen und was es kostet

Der Unternehmensberater Michael E. Gerber beschreibt drei Rollen, die jede Gründerin und jeder Gründer gleichzeitig ausfüllt: die Fachkraft, die im Tagesgeschäft arbeitet, den Manager, der Abläufe organisiert, und den Unternehmer, der das Ganze weiterentwickelt (WEKA). Am Anfang ist das normal. Doch wenn das Unternehmen wächst, sollte sich der Schwerpunkt Richtung Unternehmerrolle verschieben.

In der Praxis passiert oft das Gegenteil. Die typischen Gründe:

  • Gewohnheit: „Das habe ich immer so gemacht.“
  • Tempo: Selbst machen geht schneller als erklären, jedenfalls heute.
  • Qualität: „Keiner macht das so gut wie ich.“
  • Kontrolle: Loslassen fühlt sich riskant an.

Der Preis dafür ist hoch, auch wenn er auf keiner Rechnung steht. Jede Stunde, die du als Aushilfe arbeitest, fehlt dir für Strategie, Führung und Entscheidungen. Dein Team wartet auf Antworten. Neue Ideen bleiben in der Schublade. Und du selbst rennst im Hamsterrad, statt das Rad neu zu bauen.

 

Am Unternehmen arbeiten: Was Unternehmeraufgaben wirklich sind

Unternehmeraufgaben sind die Aufgaben, die nur du erledigen kannst. Für mich sind das vor allem drei:

  • Das Unternehmen weiterentwickeln: Angebote, Strategie, Richtung.
  • Das Team stärken: führen, befähigen, Verantwortung übergeben.
  • Entscheidungen treffen, die das Unternehmen voranbringen.

Alles andere kann zumindest teilweise jemand anderes übernehmen. So kommst du Schritt für Schritt dahin:

  1. Aufgaben sichtbar machen. Notiere eine Woche lang, was du operativ erledigst und wie lange es dauert.
  2. Sortieren. Was kann nur ich? Was kann jemand anderes, vielleicht mit etwas Einarbeitung? Was kann ganz weg?
  3. Die richtige Person finden. Das kann ein Teammitglied sein, eine Assistenz oder ein externer Dienstleister.
  4. Sauber übergeben. Erkläre das Ziel, nicht nur die Handgriffe. Halte wichtige Abläufe schriftlich fest.
  5. Loslassen. Gib Rückmeldung, aber übernimm die Aufgabe nicht gleich wieder, wenn etwas anders läuft als bei dir.

Mal operativ einspringen darfst du natürlich weiterhin. Der Unterschied: Es ist dann eine bewusste Entscheidung und kein Dauerzustand.

 

Fazit: Nicht ob, sondern wann du mit anpackst

Die Frage ist nicht, ob du als Unternehmer:in mit anpackst. Die Frage ist:

  • Entscheidest du selbst, wann du es tust?
  • Und was bleibt in deinem Unternehmen liegen, während du es tust?

Wenn du ehrlich hinschaust, findest du bestimmt ein, zwei Aufgaben, die du längst abgeben könntest. Fang mit einer davon an. Jede Stunde, die du nicht mehr als Aushilfe arbeitest, gewinnst du als Unternehmerin oder Unternehmer zurück.

Welche Aufgaben machst du noch selbst, obwohl deine Zeit woanders besser eingesetzt wäre? Schreib es mir gern in die Kommentare oder per Mail.

Deine konkrete Situation fühlt sich so ähnlich und gleichzeitig anders an?
Lass uns sprechen und erhalte schon im Gespräch zwei bis drei Tipps, mit denen du dem Unternehmer-Hamsterrad ein Stück entkommst.